Vermittlungsgutschein in Deutschland: Was Fachkräfte damit machen können

Bildplatzhalter

BERUFSWECHSEL · NIV NICOLAS NOWBAKHT · Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2026

Du hast einen Vermittlungsgutschein von der Agentur für Arbeit bekommen, und niemand sagt dir, wo du ihn einlösen kannst. Gute Frage, denn für Fachkräfte ist die Antwort nicht offensichtlich.

Kurz gesagt: Ein Vermittlungsgutschein ist keine Förderung für dich, sondern eine Zahlungszusage der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters an einen privaten Vermittler, die nur fällig wird, wenn er dich in eine Stelle vermittelt. Er kostet dich nichts, aber nach meiner Erfahrung führt er bei erfahrenen Wissensarbeitern selten zu einer guten Stelle. Nützlicher sind Klarheit über dein Ziel, gezielte Bewerbungen und die richtigen Gespräche.

  • Der Vermittlungsgutschein bezahlt nur eine erfolgreiche Vermittlung, kein Coaching (beide heißen offiziell AVGS)
  • Er ist befristet, manchmal regional begrenzt, und die Stelle muss innerhalb der Gültigkeit beginnen
  • Bevor du etwas unterschreibst: Lies die Bedingungen und frag schriftlich nach, ob du etwas zahlen müsstest
  • Für gute Stellen in der Wissensarbeit sind Gespräche und gezielte Bewerbungen meist der stärkere Hebel

Für wen das gedacht ist

Du hast mehrere Jahre Berufserfahrung und arbeitest mit Wissen, etwa in Vertrieb, Marketing, Projektmanagement, Produkt, HR oder Beratung. Du bist in Deutschland arbeitslos oder arbeitsuchend gemeldet und willst nicht irgendeine Stelle, sondern eine, die zu deinem Profil passt. Wenn du gerade deinen Job verloren hast, findest du hier den vollständigen Aktionsplan.

Was ein Vermittlungsgutschein ist (und was er nicht ist)

Der offizielle Name des Dokuments lautet Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS). Das steht oben auf deinem Schreiben. Es gibt drei Varianten, alle geregelt in § 45 des Sozialgesetzbuchs III (SGB III). Am Ziel, das auf dem Papier steht, erkennst du, welche du hast.

GutscheinZweckWer wird bezahlt?Anspruch?
AVGS für private Arbeitsvermittlung (AVGS MPAV, “Vermittlungsgutschein”)Vermittlung in eine Stelle mit SozialversicherungsbeiträgenPrivater Vermittler, nur bei Erfolg: 2.500 Euro, bei Langzeitarbeitslosen bis zu 3.000 EuroRechtsanspruch für Arbeitslose mit Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG I), die nach sechs Wochen Arbeitslosigkeit innerhalb von drei Monaten noch nicht vermittelt sind. Für Jobcenter-Kunden laut Bundesagentur für Arbeit kein Rechtsanspruch
AVGS für Coaching und Qualifizierung (AVGS MAT)Maßnahme zur Aktivierung und beruflichen EingliederungZugelassener MaßnahmeträgerErmessen der Vermittlungsfachkraft, vor Beginn ist eine schriftliche Zustimmung nötig
AVGS bei einem Arbeitgeber (AVGS MAG)Betriebliche Maßnahme, bis zu sechs WochenArbeitgeberErmessen. Laut einem Jobcenter-Papier in der Praxis kaum genutzt

Dein Vermittlungsgutschein gilt meist drei bis sechs Monate, manchmal nur für eine Region. Der Vermittler wird nur bezahlt, wenn deine Stelle innerhalb der Gültigkeit beginnt. Sie darf nicht von vornherein auf unter drei Monate befristet sein. Und sie darf nicht bei einem früheren Arbeitgeber liegen, bei dem du in den letzten vier Jahren länger als drei Monate gearbeitet hast. Die Vergütung kommt in zwei Raten: die erste nach sechs Wochen im Job, der Rest nach sechs Monaten.

So nutzt du ihn, wenn du es versuchen willst

Der Gutschein kostet dich nichts, solange die Agentur zahlt. Ein Versuch schadet nicht. Mehr zum Umgang mit Vermittlern findest du im Beitrag So arbeitest du mit Recruiting-Agenturen in Deutschland zusammen.

  1. Frag nach der Zulassung: „Sind Sie nach AZAV zugelassen?“ (Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung.) Laut Bundesagentur für Arbeit kann der Vermittler sonst nicht abrechnen.
  2. Frag nach Stellen auf deinem Niveau: „Haben Sie aktuell Stellen in meinem Bereich?“ Nenn Rolle, Ziel und Region. Bleibt die Antwort vage, lass es.
  3. Lies die AGB und frag schriftlich: „Muss ich etwas zahlen, wenn der Gutschein nicht ausgezahlt wird?“ In den AGB mancher Anbieter steht dann, dass du selbst zahlst.
  4. Gib das Original nicht aus der Hand, bevor du die Bedingungen kennst.

Warum ich für Fachkräfte skeptisch bin

Ich kenne mich auf dem Markt für Karriereberatung, Coaching und Personalvermittlung ziemlich gut aus. Ich kenne keinen Personalvermittler, der diese Gutscheine akzeptiert und den ich erfahrenen Fachkräften empfehlen würde. Das heißt aber nicht, dass es keinen gibt.

Bei den Vermittlern, die ich mir angesehen habe, waren die Stellen überwiegend Büro-, Verkaufs- und Logistikstellen. Dazu kommt die Logik des Gutscheins: Der Vermittler verdient nur, wenn du innerhalb der Frist anfängst. Das belohnt Stellen, die sich schnell besetzen lassen, nicht die, die zu dir passen. Das ist meine Schlussfolgerung, keine Statistik. Probier es, aber setz deine Zeit nicht darauf.

Der Gutschein gibt keine Antwort auf die Frage, die du dir stellst: Wohin will ich eigentlich hin?

Was hilft stattdessen?

Vermittlung funktioniert nur, wenn du weißt, wohin du willst. Bei mir kommt deshalb erst die Orientierung (was passt zu mir, was nicht, welches Umfeld), dann die Bewerbung.

  • Sprich mit deiner Vermittlungsfachkraft in der Agentur oder im Jobcenter. Frag, was sie für dein Profil sieht und ob es Folgen hat, wenn du den Gutschein nicht einlöst. Ein weiteres Gespräch, auch mit einer anderen Person dort, lohnt sich immer.
  • Sprich mit Recruitern, Headhuntern und deinem Netzwerk, die dein Feld kennen. Viele gute Stellen werden im Gespräch besetzt, bevor sie ausgeschrieben sind.
  • Frag einen Coaching-Gutschein an, wenn du Klarheit willst. Du brauchst die schriftliche Zustimmung (Bewilligungsbescheid) vor Beginn des Coachings, sonst zahlst du selbst. Ob du ihn zusätzlich zum Vermittlungsgutschein bekommst, entscheidet deine Vermittlungsfachkraft. Der Ablauf im Detail: AVGS-Coaching in Deutschland, Schritt für Schritt.
  • Sprich mit mir. Ja, ich biete Coaching an, das ist ein Eigeninteresse, deshalb steht alles andere vorher. Mehr zum Coaching mit AVGS findest du auf meiner AVGS-Seite, mehr über meine Arbeit unter Karriere-Coaching.

Drei weitere Leistungen der Arbeitsagentur sind für Fachkräfte oft relevanter, auch wenn sie keine AVGS sind:

LeistungZweckAnspruch?
Bildungsgutschein (Weiterbildungsgutschein, § 81 SGB III)Weiterbildung bei einem zugelassenen Träger, vorher Beratung, laut Weisung der Agentur längstens drei Monate gültigEntscheidung von Fall zu Fall, Anspruch nur in bestimmten Fällen
Vermittlungsbudget (§ 44 SGB III)Beispielsweise Antrags- und ReisekostenKein Anspruch, Antrag vor den Kosten stellen
Gründungszuschuss (§ 93 SGB III)Zuschuss bei hauptberuflicher Selbständigkeit, unter anderem mit noch 150 Tagen Anspruch auf Arbeitslosengeld und einem BusinessplanKein Anspruch, Ermessensspielraum

Drei Fragen an dich

Nimm dir zehn Minuten Zeit und schreib deine Antworten auf:

  • Welche Rolle will ich in zwei Jahren haben?
  • Welche drei Menschen aus meinem Feld könnte ich diese Woche anrufen?
  • Was würde ich nicht annehmen, selbst wenn es schon morgen verfügbar wäre?

FAQ

Was ist ein Vermittlungsgutschein?
Ein Vermittlungsgutschein (offiziell: AVGS für private Arbeitsvermittlung) ist eine Zahlungszusage der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters an einen privaten Vermittler. Er bekommt Geld, wenn er dich in eine versicherungspflichtige Stelle bringt. Für dich ist er kostenfrei, solange er ausgezahlt wird.

Ist der Vermittlungsgutschein dasselbe wie ein AVGS für Coaching?
Nein, auch wenn beide offiziell AVGS heißen. Der Vermittlungsgutschein bezahlt nur eine erfolgreiche Vermittlung. Der AVGS für Coaching und Qualifizierung bezahlt eine Maßnahme bei einem zugelassenen Träger.

Kann ich den Vermittlungsgutschein mehreren Vermittlern zeigen?
Du kannst mit mehreren sprechen. Gib das Original aber erst aus der Hand, wenn du die Bedingungen kennst. Der Vermittler wird erst bezahlt, wenn du die Stelle tatsächlich angetreten hast.

Was passiert, wenn der Gutschein abläuft?
Dann kann der Vermittler in der Regel nichts abrechnen, denn die Stelle muss innerhalb der Gültigkeit beginnen. Prüf Ablaufdatum und Region auf deinem Gutschein.

Dein nächster Schritt

Du hast einen Vermittlungsgutschein und weißt nicht, was du damit anfangen sollst? Sprich mit mir. Im kostenlosen Clarity Call (30 Minuten) sprechen wir genau darüber: über deinen Gutschein, deine Lage und was für dich als Nächstes sinnvoll ist. Ich habe in über zwölf Jahren viele Menschen in dieser Situation begleitet und kenne die Fallstricke. Das ist ein Gespräch, kein Verkaufstermin.

Buche deinen kostenlosen Clarity Call (30 Minuten).

Wir sprechen über deinen Gutschein, deine Lage und was für dich als Nächstes sinnvoll ist. Kein Verkaufsgespräch, keine Verpflichtung.

Niv Nicolas Nowbakht, Karriere- und Führungscoach in Berlin

Niv Nicolas Nowbakht

ICF-zertifizierter Karriere- und Führungscoach, Berlin · Über 12 Jahre Erfahrung · M.A. Kommunikationswissenschaft

Dieser Text ersetzt keine Rechts- oder Sozialberatung. Er gibt den Stand von Oktober 2026 wieder und beruht auf Angaben der Bundesagentur für Arbeit und § 45 SGB III. Die Regeln können sich ändern und im Einzelfall anders aussehen. Verbindliche Auskunft erhältst du bei deiner Agentur für Arbeit oder deinem Jobcenter.

Quellen: § 45 SGB III, Bundesagentur für Arbeit: AVGS für private Arbeitsvermittlung, Bundesagentur für Arbeit: AVGS für Coaching und Qualifizierung, Bildungsgutschein, Vermittlungsbudget, Gründungszuschuss